Sucht: Wie Suchtverhalten unseren Körper bestimmt

Sucht: Wie Suchtverhalten unseren Körper bestimmt

10. Oktober 2018 Off By Robin Gerdsmeier

Das Leben mit einer Sucht bestimmt den Alltag vieler Menschen. Sogar Kinder legen bereits diverses Suchtverhalten an den Tag, welches sie oftmals nicht mehr ablegen und stattdessen versuchen, einen Fixpunkt für die eigene Identität darin zu finden. Hier können Sie nachlesen, warum die traditionelle chinesische Medizin (kurz: TCM) verwurzelte Unsicherheiten in Verhaltensweisen von Sucht und Abhängigkeit sieht und wie sich körperliche Reaktionen erklären.

 

Entstehung von Suchtverhalten aus Sicht der TCM

Gemäß der TCM etabliert sich Suchtverhalten aus Sehnsüchten nach der wahren Natur des eigenen Geistes und Ängsten, dieses eigene Ich zu verlieren. Angst schürt Unsicherheit und das Verlangen, an gewohnten Verhaltensweisen festzuhalten, um sich und sein Dasein zu bewahren. Somit kann diese ‚gepflegte‘ Ichbezogenheit als größte Sucht betrachtet werden.

Gelebte Süchte können unterschiedliche Gesichter haben. Während sich manche an Alkohol, Drogen oder Nikotin klammern, sind andere süchtig nach Macht, Computerspielen oder dauerndem Einkaufen. Doch alle haben eines gemeinsam: innere Unzufriedenheit, die auf Ängsten und Unsicherheiten basiert.

Schon Kinder und Jugendliche werden mit der Ich-Illusion konfrontiert. In der jungen Holzphase des Lebens regieren Leber und Gallenblase. In der Pubertät ist vor allem die Leber äußerst mächtig. Sie möchte sich gerne fixieren und mit etwas Beständigem identifizieren. Je nach Karma und sozialem Umfeld fixieren sich Kids auf positive Dinge oder aber auf negative ‚Haltepunkte‘, wie etwa das Ausprobieren und den Konsum von Drogen.

Suchtverhalten beruht weitestgehend auf dem Metall-Element, welches zwei Funktionskreisen unterliegt: der Lunge und dem Dickdarm sowie dem Geisteswesen ‚PO‘. Das PO ist der kraftvolle Architekt unseres Körpers, herrscht über unser physisches Gedächtnis und stellt unsere animalische Seele dar. Außerdem reguliert es Stoffwechsel, Immunsystem und die zellulare Erneuerung.

Besteht eine Sucht, verdichtet sich das PO. Je stärker das Suchtverhalten ausgeprägt ist, desto stärker ist auch das PO verdichtet. Es bewirkt paradoxerweise, dass Süchtige mit ihrem Suchtverhalten ihren Körper zwar ruinieren, aber dennoch auf das Überleben der eigenen Ich-Illusion ausgerichtet sind.

 

Beispielhafte Auswirkungen: Sucht nach Tabak und Cannabis

Der Konsum von Tabak und Cannabis ist eine weitverbreitete Sucht. Neben dem Gewöhnungseffekt haben beide Stoffe weitere erhebliche Auswirkungen auf den Körper.

Tabak ist aromatisch, thermisch, bitter, scharf und sehr heiß. Er hat eine Vorliebe für Lunge, Dickdarm, Kreislauf, Uterus, Prostata und die Blase. Seine scharfe Hitze verletzt das Yin der Lunge und erzeugt dort nachts zähen Schleim und Toxine, die sich auch im Unterleib ansiedeln.

Kostbare Lebenssäfte (Jin Ye) haben ihren Ursprung in der Lunge, die zudem für die Zirkulation des Qi verantwortlich ist. Ist die Lunge ausgezehrt, verlangsamt sich das zirkulierende Qi, woraufhin Blutstau und Hitze-Toxine entstehen, die bösartige Krebsarten begünstigen.

Lungenzeit ist morgens um 4:00 Uhr. Zu dieser Zeit benötigt die Lunge am meisten Energie, um sich auf den Tag vorzubereiten. Menschen mit schwacher Lungenenergie wachen zu diesem Zeitpunkt häufig auf und finden nur schwer wieder in den Schlaf.

Cannabis wird in der TCM zur Behandlung von Verstopfungen, die auf einen Yin-Mangel zurückzuführen sind, eingesetzt. Doch die TCM befürwortet den Einsatz von Cannabis nur als genau dosiertes Schmerzmittel und lehnt den Konsum als Genussmittel ab.

Auch Cannabis ist aromatisch, scharf und sehr heiß. Es hat eine Vorliebe für die Leber und das zentrale Nervensystem und zehrt das Qi der Lunge aus, was wiederum Yin-Mangel der Lunge hervorruft.

Das Rauchen von Cannabis blockiert alle 100 Gefäße der Herzkanäle. Seine betäubende Wirkung entsteht durch eine Verschleimung des Herzens und nicht etwa durch Effekte, die das Qi zum Fließen bringen.

Oftmals versuchen Süchtige ihren ausgezehrten Lungen mit Süßigkeiten oder Milchprodukten zu begegnen. Diese Lebensmittel befeuchten die Lunge jedoch keineswegs in positivem Sinne, sondern lassen Nässe, Hitze und Blutstau entstehen. Bei einer Sucht nach Cannabis sind diese Symptome häufig zu beobachten:

– Blutstau im Yang Ming: geschwollene dicke, dunkelrote Lippen

– Erhitzung von Lunge und Leber: rote Augen und trockener Husten

– Blutstase: dunkelrote Farbe der Zunge

– Trübung des Herzens durch Verschleimung: Gedächtnisausfall und arrogantes Verhalten

Süchtige haben ein hohes Mitteilungsbedürfnis und fallen oft durch verwirrtes Reden auf. Wird Cannabis länger konsumiert, geht die Willenskraft verloren, was sich unter anderem in der Vernachlässigung des sozialen Umfelds bemerkbar macht.

In einer Therapie gemäß der TCM werden die Geisteswesen PO und HUN (Speicherbewusstsein) harmonisiert und in Balance gebracht.

Gerne berate ich Sie eingehend zu den Themen Sucht und Suchtverhalten gemäß der TCM!